Drucken/Print

 

Nobelpreis für den Pionier der IVF

Der Nobelpreis für Medizin 2010 wurde Professor Robert G. Edwards (1925-2013) für seine bahnbrechende Forschung zur In vitro-Fertilisation (IVF) verliehen. Zusammen mit dem 1988 verstorbenen Gynäkologen Patrick Steptoe gelang dem emeritierten Professor der Universität Cambridge nach langjähriger, systematischer Forschungs­arbeit die Befruchtung einer menschlichen Eizelle ausserhalb des Körpers der Frau, worauf am 25. Juli 1978 Louise Joy Brown geboren wurde. Seither sind weltweit über 12 Millionen gesunde Kinder im Reagenzglas entstanden, und Louise Brown ist ihrerseits 2006 Mutter eines gesunden Kindes geworden.

 

Oben: Patrick Steptoe und Robert Edwards im Forschungslabor der 1970er Jahre (Symbolbild)

 

Die hohe Auszeichnung war überfällig (leider war Edwards bereits zu krank, um sie persönlich entgegen­zunehmen) und freute die Gemeinschaft der IVF-Spezialisten sehr. Auch im forschungsfreundlichen England musste sich Edwards seinerzeit grosser Widerstände erwehren und sich die Mittel für seine Arbeit teils privat beschaffen. Heute gehört die In vitro-Fertilisation zum Alltag und wird nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt; dank der Leistung von Edwards und Steptoe wurde unzähligen Kinderwunsch-Paaren zum ersehnten Nachwuchs verholfen. Der Nobelpreis war deshalb auch eine späte Rechtfertigung gegen jene, die unsere Tätigkeit in einer Art «Schmuddelecke» der Medizin ansiedelten.

 

Widerstand gegen IVF

Die heute alltägliche, erfolgreiche und familienpolitisch zu befürwortende medizinische Behandlungsmethode IVF wird nur noch von einer relevanten Institution eisern abgelehnt: der katholischen Landeskirche. Sofort nach Ankündigung des Nobelpreises für Edwards meldete sich der Vatikan kritisch zu Wort. Bis zum heutigen Tag beharrt die katholische Kirche auf folgenden Dogmen:

 

  • Das menschliche Leben beginnt mit der Zeugung im Geschlechtsakt zwischen Ehemann und Ehefrau.
  • Der Geschlechtsakt darf nur im Rahmen der katholisch geschlossenen Ehe praktiziert werden und muss immer der Fortpflanzung dienen.

 

Gemäss diesen dogmatischen Vorstellungen ist Empfängnisverhütung genauso unzulässig wie die Zusammen­führung von Ei- und Samenzelle im Reagenzglas. Mit ausgesuchter Spitzfindigkeit wird ferner argumentiert, IVF heile die Unfruchtbarkeit nicht wirklich, sondern behandle nur ein Symptom (dasselbe gilt aber für lebensrettende Massnahmen wie die Insulinspritze des Diabetikers oder den Stent bei Erkrankungen der Herzkranzgefässe).

 

In der Schweiz hat sich das Stimmvolk zwischen 2000 und 2015 mehrmals mit Mehrheiten zwischen 62% und 71% für eine massvolle, streng regulierte Fortpflanzungs­medizin ausgesprochen. Menschen lassen sich in Fragen der Fortpflanzung ohnehin nicht mehr bevormunden, weshalb Restriktionen einzig den sog. Fortpflanzungs­tourismus (cross-border reproductive care) fördern.