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Eizellvorsorge - manchmal eine legitime Notlösung

POSITIV
  • Psychologische Entlastung von Single-Frauen, insbesondere solchen, deren Ex-Partner keine Kinder wollte
  • Absicherung bei medizinischer Problematik (Endometriose, Mutter hatte frühe Menopause, für das Alter tiefer AMH-Wert)

 

NEGATIV
  • Zahlreiche Frauen lagern zu spät (nach 35) und zu wenige (unter 15) Eizellen ein
  • Nur 11% der Frauen greifen auf ihre Eizellen zurück, davon gebären nur 28% ein Baby (52%, wenn die Einlagerung vor 35 erfolgte)
  • Es ist eine Illusion, dass die Familiengründung mit 40 (oder gar später) einfacher sein wird; wir sahen Patientinnen, die mit 35 Jahren Eizellen einlagerten und mit 45 voller Verzweiflung realisierten, dass die gesetzliche Lagerungsfrist um ist
  • Bei Frauen in stabiler Partnerschaft sind nur wenige Situationen denkbar, in denen Eizellvorsorge sinnvoll ist, statt bald eine Familie zu gründen
  • Investor-getriebene neue Zentren mit teurer Infrastruktur werben aggressiv für ihre hochpreisigen Angebote; die Bewertung der Eizellen mit KI ist noch sehr fehlerbehaftet (59% richtige und 41% falsche Vorhersagen)

 

Eizellvorsorge (engl. social egg freezing) ist das Tiefkühlen unbefruchteter weiblicher Eizellen als Vorsorge für den Fall, dass später ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Hintergrund ist die rapide abnehmende Fruchtbarkeit der Frau ab 35 Jahren (bei etlichen Frauen schon ab 30 Jahren). Wir bieten dies seit 2012 auch in unserem Labor an, immer nach ausführlicher ärztlicher Beratung.

 

 

Kein einfacher Weg

Die Methode entspricht dem ersten Teil einer In-vitro-fertilisation, mit hormoneller Stimulation der Eierstöcke und Entnahme durch die Scheide in Kurznarkose. Die Lagerung ist nach Schweizer Gesetz auf zehn Jahre beschränkt. Falls die Eizellen später verwendet werden, werden sie aufgetaut und mit dem Samen des dannzumaligen Partners im Rahmen einer IVF/ICSI befruchtet.

 

KOSTEN  (werden von der Krankenkasse nicht zurückerstattet)
  • CHF 300 für unverbindliche, ausführliche Erstberatung mit Ultraschall und, falls nötig, Blutentnahme für AMH. Dies bedingt einen Besuch in unserer Praxis, wir vergeben keine Online-Termine für diesen Zweck.
  • CHF 4800 pauschal, einschliesslich erste sechs Monate Lagerung,
    ausser Medikamente zur Stimulation der Eierstöcke (CHF 1000-1400)
  • CHF 220 für weitere sechs Monate Lagerung (maximal zehn Jahre)
  • Falls später für IVF/ICSI mit Sperma des Ehemannes/Partners verwendet: CHF 4100

 

Eizellvorsorge ist auf keinen Fall ein Allerheilmittel für die breite Bevölkerung und sollte nicht aggressiv vermarktet werden, ebensowenig von gewissen Arbeitgebern gefördert werden, welche ihre weiblichen Arbeitskräfte länger behalten möchten, ohne ihnen familien­freundliche Karriere­optionen anzubieten. Frankreich und Skandi­navien beweisen, dass dies möglich wäre. Eizellvorsorge kann jedoch eine legitime Notlösung sein für Frauen zwischen 30-35 ohne geeigneten männlichen Partner, insbesondere dann, wenn eine Beziehung zerbrach, weil sich der Mann nicht auf eine Familiengründung festlegen mochte. Ich habe immer diese differenzierte Meinung vertreten, auch in den Abendnachrichten des Schweizer Fernsehens im Jahr 2014.

 

 

Dr. med. Michael Singer 2013 - 2026

 

Ältere Ressourcen (2013-2014)

Link zu NZZ-Artikel 16.12.2013 und Interview mit der Philosophin S. Brauer

Ist es einfacher, Eizellen einzufrieren, als männlich dominierte Karrieremuster aufzubrechen? - Kommentar von Nicole Althaus, NZZ am Sonntag, 18.5.2014