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AKTUELLE NEWS Gyné invitro

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25. Dezember 2016

Gyné invitro - Erfolgsraten 2016

Am Ende eines arbeitsreichen Jahres möchten wir uns herzlich für das uns erwiesene Vertrauen bedanken. Unsere im April eröffnete, hauseigene Tagesklinik mit Reinraum-IVF-Labor «Gyné invitro» hat sich in jeder Hinsicht bewährt und hat uns zahlreiche Schwangerschaften beschert. Über das Jahr erzielten wir in 123 Frischzyklen 61 Schwangerschaften (49.6%, Durchschnittsalter 36.8 Jahre) und konnten damit die hohe Erfolgsrate des Vorjahrs exakt halten. Nach der erfolgreichen Abstimmung vom letzten Juni zur Liberalisierung des Schweizer Gesetzes freuen wir uns auf ein fachlich spannendes Jahr 2017, in welchem wir – sobald das Ausführungsgesetz im September 2017 in Kraft tritt – in ausgewählten Fällen die Präimplantationsdiagnostik einführen möchten.

 


Die obige Foto-Collage zeigt alle unsere 65 Embryotransfers, die seit April 2016 zu einer klinischen Schwangerschaft führten. Jede Geburt eines gesunden Kindes nach erfolgreicher IVF erfüllt uns weiterhin und unvermindert mit Faszination und tiefer Demut.

 

5. Juni 2016

62.4% Ja zu einer zeitgemässen Fortpflanzungsmedizin

Die Schweizer Stimmberechtigten haben am 5. Juni 2016 ihr Votum vom Vorjahr noch einen Tick deutlicher bestätigt und dem revidierten Gesetz zur Fortpflanzungsmedizin klar zugestimmt. Damit haben eigenverantwortliche Eltern und verantwortungsbewusste Fortpflanzungsmediziner die Möglichkeit, die im Reagenzglas gereiften Embryonen ab 2017 in bestimmten Fällen auf schwere Krankheiten zu untersuchen sowie - was ohnehin unbestritten war - überzählige Embryonen tiefzukühlen.

 

Wir Fortpflanzungsmediziner danken dem Stimmvolk für dieses demokratische Vertrauen und werden es nicht missbrauchen. Die gegnerischen Argumente punkto Designerbaby und Elimination behinderter Kinder waren nicht stichhaltig, weil eine Selektion nach Geschlecht oder bestimmten Eigenschaften weiterhin strikte verboten ist. Jede weitere Gesetzesänderung (z.B. die Zulassung der Eizellspende) wird weiterhin einer demokratischen Kontrolle unterworfen sein.

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Mit dem klaren Ja hat die Schweiz mit dem europäischen Ausland gleichgezogen. Die Entscheidung für oder gegen Präimplantationsdiagnostik ist sehr persönlich; ein grosser Teil der 37.6% Ablehnenden steht den Reagenzglasbehandlungen ohnehin kritisch gegenüber. Wir werden in den kommenden Jahren beweisen, dass ihre Befürchtungen unbegründet waren. Im Kern ging es darum, dass die ethisch-moralisch-religiösen Bedenken einer Minderheit nicht dazu dienen sollen, der klaren Mehrheit in Fortpflanzungsfragen wichtige Optionen zu verbauen.

 

Sehr erfreulich fand ich, dass sich das Volk über die Parolen religiöser und politischer Autoritäten hinwegzusetzen wagt. Die CVP-Delegierten stimmten gegen ihren Vorstand für die Ja-Parole, weil sie wussten, dass eine familienfreundliche Partei Ja sagen sollte, statt in alten religiösen Denkmustern zu verharren. Bei der SVP fasste der Vorstand die Nein-Parole, die aber - siehe untenstehende Karte des Kantons Zürich - beim Stimmvolk nicht verfing und nur in ganz vereinzelten ländlichen Gemeinden zu einer knappen Nein-Mehrheit reichte.

 

 

 

 

20. März 2016

Zur Volksabstimmung vom 5. Juni 2016: Was ist Präimplantationsdiagnostik?

Ein politisch hochaktuelles Thema - 2015 stimmte das Schweizer Volk mit grosser Mehrheit von 62% einer Liberalisierung der Fortpflanzungsmedizin auf Verfassungsebene zu. Gegen die Präimplantationsdiagnostik, insbesondere gegen die Erlaubnis, auch ohne vorbestehende familiäre Erbkrankheiten auf Chromosomen­störungen der Embryonen zu untersuchen (sog. Aneuploidie-Screening oder PGS), wurde das Referendum ergriffen, weshalb wir am 5. Juni 2016 nochmals über das Thema abstimmen müssen. Bei einem - von allen Fortpflanzungsmedizinern erhoffen - JA könnten wir dann ab 2017 die hier geschilderte Technik auch den von uns betreuten Paaren anbieten.

 

normales erbgut des menschen

Frauen und Männer haben je 46 Chromosomen. Eine Frau (links) besitzt zwei X-Chromosomen, ein Mann (rechts) ein X und ein Y.

 
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Bereits in jungen Jahren weicht die Mehrzahl der natürlich entstandenen Embryonen von der normalen Chromosomenzahl ab, meistens weil die weibliche Eizelle dem Embryo statt eine Kopie eines Chromosoms deren zwei (führt zu einer Trisomie) oder gar keine (führt zu einer Monosomie) mitgibt. Diese Fehlverteilungen werden als Neumutation, bzw. präziser non-disjunction bezeichnet; die so entstandenen Embryonen mit zahlenmässiger Fehlverteilung sind aneuploid. Ihre Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter der Frau exponentiell an; dies ist die biologische Grundlage der steil abnehmenden Fruchtbarkeit wie auch der zunehmenden Häufigkeit von Fehlgeburten jenseits von 35 Jahren.

 

Seit etwa 2015 ist es prinzipiell möglich, Embryonen vor der Einpflanzung darauf zu untersuchen, ob ihr Erbgut korrekt ist. In früheren Jahren waren die genetischen Untersuchungsmethoden noch zuwenig präzise, und auch heute muss man erheblichen Aufwand treiben, um dem Embryo - entweder am Tag 3, oder, neuerdings häufiger, am Tag 5 - eine Biopsie zu entnehmen. Die gewonnenen Zellen werden dann im hochspezialisierten Labor genetisch untersucht. Handelt es sich um ein Paar mit vorbestehender Erbkrankheit, so bezeichnet man die Methode als PID (Präimplantationsdiagnostik) bzw. PGD (preimplantation genetic diagnosis); handelt es sich hingegen um ein Testen aller Embryonen auf Neumutationen wie Trisomien oder Monosomien, so sprechen wir von PGS (preimplantation genetic screening, Aneuploidie-Screening). Das bekannte Zentrum in Valencia (Spanien) hat den Zusammenhang zwischen Alter und Anteil abweichender Embryonen untersucht:

 

Abweichende embryonen je nach alter der frau

Blaue Säulen: der Anteil abweichender Embryonen steigt stetig von 69% in der Altersgruppe unter 35 Jahren auf sage und schreibe 91% mit 42 Jahren.

 

Rote Säulen: bei der Mehrzahl der Frauen über 40 konnte gar kein Embryotransfer durchgeführt werden, weil kein einziger Embryo gesund war.

 

Als nächstes untersuchten die spanischen Forscher, wie es sich auswirkt, wenn ausschliesslich genetisch normale Embryonen eingepflanzt werden. Die Auswirkungen sind eindrücklich (nächste Tabelle): auch über 40jährige können zu über 50% schwanger werden und haben fast keine Fehlgeburten.

 

transfer von embryonen mit normaler Chromosomen­verteilung

Blaue Säulen: sofern normale Embryonen verfügbar sind, können Frauen praktisch unabhängig vom Alter eine Erfolgsquote über 50% erreichen.

 

Rote Säulen: die Häufigkeit von Fehlgeburten (die bei Frauen über 40 sonst gegen 50% beträgt!) bleibt gering.

 

Das «Aussortieren» genetisch abweichender Embryonen stösst auf politischen und ethischen Widerspruch. Stimmt der Vorwurf, dass mit PGS kaltherzig Embryonen abgewählt werden, die lebensfähig gewesen wären? Dafür müssen wir eine weitere Grafik betrachten.

 

Verteilung von chromosomenfehlern auf die 24 chromosomen

In einer Studie aus New York wurden 1069 abweichende Embryonen untersucht.

 

Nur 4% hatten eine Trisomie 21, die übrigen 96% wiesen eine andere der 46 möglichen Fehlverteilungen auf (Klick auf Bild zeigt Originaldaten).

 

Nur die Trisomie 21 (Down-Syndrom) führt zu lebensfähigen Kindern, allerdings mit unterschiedlich ausgeprägten Fehlbildungen bzw. Behinderungen. Die übrigen 96% der untersuchten Embryonen waren somit gar nicht lebensfähig. Sie hätten zu einem Misserfolg der Behandlung oder, schlimmer, zu einer psychisch wie physisch schmerzhaften Fehlgeburt mit weiterem Verlust wertvoller Zeit geführt.

 

Eine Embryo-Biopsie (Bild rechts) mit anschliessender PGS kann in Erwägung gezogen werden bei:

  • Wiederkehrenden Fehlgeburten nach IVF
  • Implantationsversagen bei IVF
  • Extrem niedrigen Samenzahlen
  • Fortgeschrittenem mütterlichem Alter (z.B. über 38 Jahre)
 

 

ZUSAMMENFASSUNG

  • Präimplantationsdiagnostik mit Aneuploidie-Screening (PGS) ist ein vielversprechendes, zeitgemässes, im grössten Teil von Europa erlaubtes Hilfsmittel für eine Minderheit von IVF-Paaren, nämlich jene in schwierigen Situationen und/oder mit zerrinnender Zeit.

  • Nur eine Minderheit von IVF-Paaren mit klarer medizinischer Indikation werden die PGS durchführen, nur schon aus Aufwand- und Kostengründen.

  • PGS erkennt in 96% der Fälle Embryonen, die ohnehin völlig chancenlos wären und zu Fehlversuchen bzw. Fehlgeburten geführt hätten.

  • PGS verbessert die Effizienz schwieriger Behandlungen, verhindert schmerzhafte Fehlgeburten und kann bei älteren Frauen den Unterschied zwischen Kind und Kinderlosigkeit ausmachen.

 

Die gesellschaftliche Kontroverse über die vorgeburtliche Erkennung von Trisomie 21 kommentiere ich auf einer eigenen Seite; grundsätzlich darf man keine Frau zwingen, eine «Schwangerschaft auf Probe» einzugehen und dann - völlig legal - die Diagnose der Trisomie 21 erst mit 11-12 Schwangerschaftswochen zu erfahren, nur um dann über Abtreibung nachdenken zu müssen.

17. März 2016

Gyné invitro: Feierliche Eröffnung am Dienstag 5. April 2016

Link zum wissenschaftlichen Programm als PDF

 

25. Februar 2016

Kritische Stimmen zum Blastocysten-Transfer am 5. Tag

Seit vielen Jahren wird einem Zentrum im benachbarten Ausland wider besseres Wissen die Meinung vertreten, der Embryotransfer im Blastocysten-Stadium am Tag 5 sei in der Schweiz verboten, weshalb Behandlungen in der Schweiz grundsätzlich weniger erfolgreich seien. Wir haben im Rahmen des Schweizer Gesetzes (maximal drei aussichtsreiche Embryonen entwickeln) immer schon, aber sehr selektiv Transfers am Tag 5 angeboten ...

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... und waren uns bewusst, dass es ein reines Selektionsinstrument darstellt, welches die Embryonen keineswegs besser oder stärker werden lässt. In den zahlreichen Fällen, in denen nur relativ wenige Embryonen entstanden sind, sollen diese möglichst bald in die natürliche Umgebung der Gebärmutter eingesetzt werden.

 

Aufgrund einer grossangelegten Studie aus Grossbritannien wird nun empfohlen, die Blastocysten-Kultur keineswegs unkritisch anzubieten und die Embryonen wieder vermehrt am Tag 3 zu transferieren. Ein erfahrener Wissenschaftler aus Australien entgegnete, die Nachteile des längeren Verweilens ausserhalb des Mutterleibs könne man wahrscheinlich umgehen, wenn man die Embryonen mit erniedrigtem Sauerstoffgehalt bebrüte - die Sauerstoffkonzentration in unserer Atemluft von 21% sei nämlich viel höher als jene am natürlichen Befruchtungsort im Eileiter, wo weniger als 10% Sauerstoffkonzentration herrschen.

 

Unser Biologenteam wendet seit 2014 die geschlossene Bebrütungstechnik mit erniedrigtem Sauerstoffgehalt an. Die wissenschaftlichen Informationen rund ums Thema sind für Laien hochgradig verwirrend. Lassen Sie sich von uns beraten.

27. Januar 2016

Gyné invitro: Bauphase in vollem Gang

Seit 4. Januar 2016 wird unterhalb unserer Praxisgemeinschaft Gyné am See heftig gebaut, und wir entschuldigen uns für den gelegentlichen Lärm. Es entsteht ...

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.. dabei eine wichtige Erweiterung unserer Dienstleistungen unter einem Dach, die ich bisher extern in Zumikon angeboten habe - die künstliche Befruchtung IVF. Ab April 2016 werden wir die ersten Behandlungen im 2. Stock durchführen können - ein wichtiger Expansionsschritt für unsere Praxis.

 

So sah es vor kurzem noch aus...

 

und so wird es bald aussehen. Update folgt!

 

10. Januar 2016

Gyné invitro: Interview in «Weltwoche» im Januar 2016

Aus Anlass einer prominenten über 50jährigen Schwangeren konnte ich das biologische Altern der Eierstöcke ausführlich darlegen.

 

 

Link zum vollständigen Interview als PDF

 

18. November 2012

Erfolgswahrscheinlichkeit einer Kinderwunsch-Behandlung

Wir freuen uns mit jedem Paar, welches im ersten Behandlungszyklus die erträumte Schwangerschaft erzielt. Statistisch gesehen sind aber im Durchschnitt mehrere Versuche nötig. Die renommierte Forschergruppe von IVI Valencia hat anhand eigener Zahlen berechnet, wieviele Embryonen notwendig sind, um eine Lebendgeburt zu erzielen (pro Versuch werden durchschnittlich zwei Embryonen eingesetzt):

 

Lebendgeburten je nach Anzahl Embryonen und Alter

(Garrido et al., Fertility and Sterility 2011)

 

Dabei zeigt sich (Grafik oben) die eklatante Abhängigkeit vom Alter der Frau. Nach zehn Embryonen beträgt die Wahrscheinlichkeit für ein Kind bei unter 35jährigen Frauen 70%, zwischen 35 und 37 Jahren 65%, zwischen 38 und 40 Jahren 60% und jenseits von 40 Jahren bloss 30%.

 
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Eizellspende: keine Abhängigkeit vom Alter der Frau

(Garrido et al., Fertility and Sterility 2012)

 

Im Gegensatz dazu besteht bei der Eizellspende (Grafik oben) überhaupt kein Zusammenhang zwischen Alter der Frau und Erfolgswahrscheinlichkeit. Dies zeigt, dass allein die Eierstöcke vorzeitig altern, während der übrige Organismus bis 45 oder maximal 50 Jahre durchaus in der Lage wäre, ein Kind auszutragen.

 

Habe ich ein Problem mit der Einnistung?

Viele Frauen zweifeln nach ein oder zwei IVF-Fehlversuchen sehr schnell an ihrem Körper und nehmen an, dass dieser die Embryonen «nicht angenommen» oder gar «abgestossen» habe. Weltweit werden viel zu früh und viel zu viele Tests auf sogenannte Einnistungsprobleme (repeated implantation failure) durchgeführt. Die untenstehende Tabelle zeigt, dass unter 35jährige Frauen erst nach sechs, 40jährige Frauen erst nach über zehn nicht eingenisteten Embryonen gewisse Abklärungen durchführen lassen sollten.

 

Erfolgsrate wiederholter
IVF-Versuche

(Juan Garcia Velasco / Tin-Chiu Li

Jahreskongress ESHRE 2012, Istanbul)

 

Wahrscheinlichkeit eines Misserfolgs je nach Anzahl transferierter Embryonen. Rote Spalte = Frischzyklen bei Frauen unter 35, blaue Spalte = Auftauzyklen bzw. Frischzyklen bei Frauen über 40 Jahre. Nur bei Prozentzahlen unter 30% könnte man von einem Einnistungsproblem ausgehen.

 

Abklärung von Einnistungsproblemen

Gesichert ist lediglich die Gebärmutter- und Bauchspiegelung mit Entfernung von Einnistungshindernissen (Myome, Polypen) und verstopften wassergefüllten Eileitern. Sehr umstritten ist der Nutzen von Blutgerinnungs- und Immunabklärungen; lassen Sie sich bei uns beraten.

 

Nicht aufgeben / nicht zu früh zweifeln

Die obigen Statistiken zeigen, dass die Betroffenen nach ein oder zwei Fehlversuchen weder am eigenen Körper noch am betreuenden Team zweifeln sollten. Man sollte sich für ein Zentrum entscheiden, in welches man Vertrauen hat, und dann eine Anzahl Versuche durchführen, ohne ständig alles zu hinterfragen.